Oben: So kann ein Gemüse-Allerlei aussehen – Portweinbutter und Olive gehören dazu.

Es ist kein Zufall, dass man sich im Restaurant „Agata‘s“ fühlt, als würde ein Stern darüber leuchten: Chefkoch Jörg Wissmann (31) war anderthalb Jahre die rechte Hand von Yoshizumi Nagaya, dem einzigen Japaner in Deutschland, der sich einen Stern im Guide Michelin erkocht hat.

Ein Restaurant mit Anspruch ist Knochenarbeit, und wer sich aufmacht, edle Küche zu zelebrieren, muss einen hohen Grad an Leidensfähigkeit besitzen. Agata Reul hatte diese Ambitionen, als sie am 15. Oktober 2012 ihr Restaurant eröffnete.

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Oben: Dry-aged Rumpsteak mit Shiitake-Pilzen, Eisbergsalat, Perlzwiebeln und Rote Bete Tonda di Chioggia.

Mit Jörg Wissmann hat sie zweifelsfrei einen Glücksgriff getan: Der Mann versteht sein Fach nicht nur, er ist Perfektionist und hat aus dem „Nagaya“ in der Klosterstraße (für Ortsfremde: Düsseldorfs Little Tokyo) auch die Food-Ikebana übernommen, die den Genuss schon einsetzen lässt, wenn das Gericht aufgetragen wird.

Wir bestellen aus dem „Menü Agatas 6.0“ die Viergängeversion (52 Euro), bestehend aus Nebraska-Rind, Heilbutt, Lamm und „Blue Mountain“ (letzteres bedarf der Erläuterung, die folgt), sowie den Wiesenkräuter-Salat, das Irische Entrecote und gleichfalls das „Blue Mountain“.

Nach dem Gruß aus der Küche, einem sehr delikaten Pilzcappuccino, schauen wir uns in Ruhe um: Es fehlt hier an Wärme. Mit dieser Art von Einrichtung fällt ein wichtiger Faktor fürs Wiederkommen für uns weg: die Gemütlichkeit. Das farbreduzierte Ambiente ist nicht unser Ding. Zweiter Kritikpunkt: die Kellner – steif, Krawatte, weiße Handschuhe beim Auflegen des Silbers. Das wirkt gestelzt.

Wer Essgenuss allein in den Mittelpunkt des Restaurantbesuchs stellt, wird sich im „Agata’s“ allerdings wohlfühlen.

Restaurant Agatas

Der Kellner serviert den Chianti Classico 2008 (28 Euro), preiswertester Tropfen unter den Roten, der aber gut kommt.

Der Wiesenkräuter-Salat liegt fluffig drapiert auf dem Teller – ein kleines Kunstwerk mit zweierlei Birne, getrocknet und konfiert, und mit dem getreideähnlichen Amarant garniert. Das Rind ist eine Komposition aus Carpaccio und geschmortem Bäckchen. Wachtelei, Radieschen und Haselnuss bilden komplementäre Aromen dazu.

Das irische Entrecote mit Gemüse-Allerlei, Pilzen und Jus: Geschmacklich top, auf den Punkt gebraten und ebenso liebevoll angerichtet wie alles, was uns serviert wird. Auch der Heilbutt mit jungen Erbsen, Minze und Orangen-Miso macht da keine Ausnahme.

restaurant Agatas

Oben: Dry-aged Rumpsteak mit Shiitake-Pilzen, Eisbergsalat, Perlzwiebeln und Rote Bete Tonda di Chioggia.

„Blue Mountain“-Coffee ist eine Delikatesse aus Jamaica, ein beliebtes Mitbringsel für Touristen. Der „Blue Mountain“-Kaffee im „Agata’s“ aromatisiert Eis, Creme und Gel und kommt daher mit einem Anis-Milchschaum und zweierlei Topinambur – naturbelassen und frittiert. Göttlich!

– osi –

www.agatas.de

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