Große Bühne für „Adriana Lecouvreur“ in der Rheinoper

Alles, was heute Stoff für die Regenbogenblätter ist, trug sich auch zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu. Als nämlich der gefeierte Star der Comédie-Française, Adrienne Lecouvreur, 1730 mit nur 37 Jahren überraschend starb, vermutete man Mord,  herbeigeführt mittels einer vergifteten Blume. Als mutmaßliche Täterin galt die Fürstin von Bouillon, ihre Rivalin in der unglücklichen Liebe zu Moritz von Sachsen. 

Eugène Scribe schuf zusammen mit Ernest Legouvé daraus ein Drama, aus dem der Komponist Francesco Cilea die Oper „Adriana Lecouvreur“ machte.

Der bot jetzt auch das Düsseldorfer Haus der Deutschen Oper am Rhein die große Bühne. Eine glückliche Wahl, wie Publikum und auch Presse danach bescheinigten. Denn Cileas Oper wurde in einer Inszenierung des Staatstheaters Mainz als Ersatz für Umberto Giordanos „Andrea Chénier“ in etwa vier Wochen auf die Düsseldorfer Bühne gehoben. Diese Produktion der Moskauer Helion-Oper ist wegen des Ukraine-Kriegs in Düsseldorf „auf Eis“ gelegt, wie Rheinopern-Intendant Christoph Meyer offiziell verlautbaren ließ.

Glimmer, Glitter, Spotlight – jede Menge Glitzer hat Gianluca Falaschi als Regisseur und Ausstatter der Mainzer/Düsseldorfer Inszenierung um die tragische Adriana Lecouvreur verbaut und die 1902 uraufgeführte Oper in ein Szenarium von Hollywood, Musical, Showbiz gestellt. Das passt gut zu Cileas Verismo-Musik, in der Anklänge an Puccini, aber auch schon Vorgriffe auf beispielsweise Gershwin zu hören gibt. Theater auf dem Theater erzeugt der Regisseur mit wechselndem Blick hinter und vor die Kulissen. So beispielsweise der Auftakt in der Garderobe mit Schminktischen, Revueszenen  auf der Bühne, deren Boden später gewischt wird,  und Adrianas Auftritt als Rezitatorin von Racine-Texten. 

Die spricht Liana Aleksanyan in der Titelpartie stilsicher und gut hörbar. Wirklich beeindruckend aber ist ihr jugendlich-dramatischer Sopran, mit dem sie lyrische Bögen leuchten lässt. Kein Wunder, dass sie als „Butterfly“ Publikumsliebling ist. Auch darstellerisch zeigt die Sängerin Adrianas Leiden zwischen Herz und Bühne. Ihr ebenbürtig ist Ramona Zaharia als Fürstin von Bouillon. Ihr lyrischer Mezzo vermittelt in Höhen- und Tiefenlagen stimmschön expressiv Liebe und Eifersucht, denn auch sie ist in Maurizio verliebt. Den singt Sergey Polyakov inbrünstig, wenn auch nicht mit vergleichbarem Schmelz, den Alexey Zelenkov Adrianas Regisseur Michonnet zu geben weiß. Sein lyrischer Bariton lotet die unerfüllte Liebe zu Diva Adriana in allen Dimensionen aus. Vielleicht wäre sie besser beraten gewesen, ihn zu erhören und sich den wankelmütigen Maurizio  aus dem Kopf zu schlagen….

Regisseur Gianluca Falaschi geht es aber im Wesentlichen um Kunst versus Wirklichkeit, um das Theater im Theater gegenüber Realität als Kontrapunkt. Seine farbenprächtig ausgestattete Inszenierung verwandelt sogar Bühnenstaub in Glitzerkonfetti und umgekehrt – eines der Metaphern für Schein und banales Sein. So ist es für Falaschi Adrianas Persönlichkeit, die sie in den Tod treibt. Ohne die Bühne sei eine Diva nicht mehr lebensfähig. 

Applaus und Jubel für das Sängerensemble und den Chor, genauso für Dirigent Antonino Fogliani. Seinen veristisch-lyrischen Aplomb setzten die Düsseldorfer Symphoniker prächtig um. Ein paar lautstarke Buhrufe kassierte Regisseur Falaschi. Einhelligen Applaus gab’s dann für ihn auf der Premierenfeier – der ersten seit zwei Corona-Jahren.

Karten für diesen lohnenswerten Ohren- und Augenschmaus unter 8925211.

Foto:

Liana Aleksanyan (Mitte) in der Titelpartie und Ramona Zaharia (l.) als ihre Rivalin

Foto: Hans Jörg Michel

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