Als Kunstfigur und Spiegel für eine weichgespülte Gesellschaft macht sie ihrem Künstlernamen alle Ehre. Die 28-jährige, mehrfach ausgezeichnete Kabarettistin, Lisa Eckhart flaniert elegant und wortgewandt, mit spitzer Zunge vor scharfem Verstand, seit gut fünf Jahren auf dem Parkett.

Doch plötzlich lief irgendwas schief. Medien, wie die taz, eigentlich steinerne Festungen der linken Szene, bislang scheinbar noch hart am Wind segelnd, sind auf den brillanten Schmäh der jungen Kabarett-Ikone reingefallen. Und auch bislang durchaus ernst genommene Kulturschaffende, wie die Veranstalter des Hamburger Literaturfestivals ‚Harbourfront‘, gaben sich und ihrer politischen Auffassungsgabe eine peinliche Blöße. Sagten sie doch gerade erst Eckhart’s aktuelles Bühnenprogramm „Die Vorteile des Lasters“ wegen angeblich antisemitischer und rassistischer Haltung derselben Kunstfigur ab. Offiziell wegen Sicherheitsbedenken im Falle ihres Auftritts.

Selbst schuld, denn eine, nach Erkennen des eigenen Fehlers, nochmalig ausgesprochene Einladung an Frau Lasselsberger, alias Eckhart , konnte die Situation nicht mehr retten. Die Verantwortlichen müssen sich nun, wohl oder übel, die Grenzen der kritischen Vernetzung ihrer Hirnareale eingestehen, oder so etwas in der Art.

Ein Sturm im Wasserglas könnte man meinen, doch genauer betrachtet steckt viel mehr dahinter. Viel hat es dazu eigentlich gar nicht gebraucht. Das ist es, was einem Sorge machen sollte.

Die österreichische Perle des deutschsprachigen Kabaretts ist zu Unrecht ins Schleudern geraten. Sie muss sich verletzt und ausgestoßen fühlen, von einer Gesellschaft, die zunehmend frei von Reflexion und Resonanz ist, so scheint es. Eine dumpfe Öffentlichkeit, die nun noch das letzte Quäntchen der eigenen Kritikfähigkeit an den Nagel gehängt hat.

Die „Causa Eckhart“ wäre an dieser Stelle schnell er- und aufgeklärt, doch ist die aufzubringende Zeit für das Erklären des Eindeutigen, hinsichtlich des humoresk Mehrdeutigen, schlicht zu schade. Dafür verweise ich auf die ZDF-Sendung aspekte vom 4. September.

https://www.zdf.de/kultur/aspekte/aspekte-vom-4-september-2020-100.html

Die Vorteile des Lasters

In ihrem aktuellen Bühnenprogramm hält Lisa Eckhart ein wortgewaltiges Plädoyer für die etwas in Vergessenheit geratenen sieben Todsünden. Getreu dem Motto: „Es war nicht alles schlecht unter Gott. Gut war zum Beispiel, dass alles schlecht war. Denn alles, was man tat, war Sünde. Wir waren alle gute Christen und hatten einen Heidenspaß. Die Hölle zählte Leistungsgruppen, Ablässe waren das perfekte Last-Minute Geschenk und lasterhaft zu sein noch Kunst. Doch dann starb Gott ganz unerwartet an chronischer Langeweile. Und bei der Testamentsverlesung hieß es, wir wären alle von der Ursünde enterbt. Fortan war kein Mensch mehr schlecht, jedes Laster nunmehr straffrei und die Hölle wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. So fand der Spaß ein jähes Ende.“

Foto: Franziska Schroedinger

„Heute ziehen Eisfirmen, Elektronikgeschäfte und jedes zweite Schlagerlied die sieben Sünden in den Dreck, indem man sie zur heiligen Tugend erklärt. Gott befahl uns zu entsagen, Coca Cola zu genießen. Man hat uns alles erlaubt und somit alles genommen. Polyamorie versaute die Unzucht. All-You-Can-Eat Buffets vergällten die Völlerei. Facebook beschämte die Eitelkeit. Ego-Shooter liquidierten den Jähzorn. Wellnesshotels verweichlichten die Trägheit. Sie alle haben’s schlecht gemeint. Doch schlecht gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von schlecht. Und kein Zweck heiligt das Mittelmaß.“

Darum gilt es, so Lisa Eckhart, die Sünden neu zu erfinden. „Wie widersetzt man sich der Spaßgesellschaft, ohne den eigenen Spaß einzubüßen? Wie empört man seine Umwelt ohne als Künstler verleumdet zu werden? Wie verweigert man sich dem Konsumerismus ohne auf irgendetwas zu verzichten? Wie verachtet man die Unterhaltungsindustrie ohne Adorno schmeichelnd ans Gemächt zu fassen? Wie wird man zum Ketzer einer säkularisierten Welt?“

Lisa Eckhart hält dafür einige Tipps bereit:

  • Seien Sie neidisch auf andere, doch anstatt ihnen nachzueifern, ziehen Sie sie auf Ihr Niveau.
  • Seien Sie träge und zeigen Sie Ihrem Partner, wer in der Beziehung die Windeln anhat.
  • Seien Sie jähzornig und beschimpfen Sie Werner Herzog.
  • Seien Sie wollüstig und beschränken Sie sich nicht auf die zwei, drei Abgründe Ihres Körpers.
  • Seien Sie eitel und entreißen Sie Ihre Schönheit dem trüben Auge des Betrachters.
  • Seien Sie geizig und teilen Sie nicht länger brüderlich wie Kain den Schädel seines Bruders.
  • Seien Sie maßlos in allem, nur niemals der Mittelmäßigkeit.

Mit Manierismus und österreichischem Schmäh gibt sich Lisa Eckhart der Sophisterei hin – und das auf höchstem Niveau.

Wir sehen uns am 18.,

Carlos Ribet

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Veranstalter: Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal, in Kooperation mit dem Kom(m)ödchen Düsseldorf

Tickets: von 18- 30 € zzgl. Servicegebühren

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