Die Vorteile des Lasters – Ungenierte Sonderausgabe

Lisa Eckhart öffnet ihr Nähkästchen. Wie aus der Büchse der Pandora strömen daraus alle Laster, aber auch ein Funken Hoffnung. Das Kultprogramm in einer ungenierten Sonderausgabe sowie Lisa Eckhart in neuer Lingerie. Denn das Auge denkt mit.


Es war nicht alles schlecht unter Gott. Gut war zum Beispiel, dass alles schlecht war. Alles, was man tat, war Sünde. Wir waren alle gute Christen und hatten einen Heidenspaß. Die Hölle zählte Leistungsgruppen und Ablässe galten als das perfekte Last-Minute Geschenk. Doch plötzlich hieß es: Gott ist tot. Das Testament wurde verlesen. Alle Menschen seien von der Ursünde enterbt. Fortan war kein Mensch mehr schlecht, jedes Laster nunmehr straffrei und die Hölle wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. So fand der Spaß ein jähes Ende.


Heute ziehen Eisfirmen, Elektronikgeschäfte und jedes zweite Schlagerlied die sieben Sünden in den Dreck, indem man sie zur heiligen Tugend erklärt. Gott befahl uns zu entsagen, Coca Cola zu genießen. Man hat uns alles erlaubt und somit alles genommen. Polyamorie versaute die Unzucht. All-You-Can-Eat Buffets vergällten die Völlerei. Facebook beschämte die Eitelkeit. Ego-Shooter liquidierten den Jähzorn. Wellnesshotels verweichlichten die Trägheit. Sie alle haben’s schlecht gemeint. Doch schlecht gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von schlecht. Und kein Zweck heiligt das Mittelmaß.

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17. Dezember im Robert-Schumann-Saal, Museum Kunstpalast, Ehrenhof 4-5 um 20 UhrTickets unter www.kommoedchen.de, Theaterkasse oder 0211 329443

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Als Kunstfigur und Spiegel für eine weichgespülte Gesellschaft macht Lisa Eckhart ihrem Künstlernamen alle Ehre. Die mehrfach ausgezeichnete Kabarettistin flaniert elegant und wortgewandt, mit spitzer Zunge vor scharfem Verstand, seit gut fünf Jahren auf dem Parkett.

Doch letztes Jahr lief irgendwas schief. Medien, wie die taz, eigentlich steinerne Festungen der linken Szene, bislang scheinbar noch hart am Wind segelnd, sind auf den brillanten Schmäh der jungen Kabarett-Ikone reingefallen. Und auch bislang durchaus ernst genommene Kulturschaffende, wie die Veranstalter des Hamburger Literaturfestivals ‚Harbourfront‘, gaben sich und ihrer politischen Auffassungsgabe eine peinliche Blöße. Sagten sie doch damals Eckhart’s aktuelles Bühnenprogramm „Die Vorteile des Lasters“ wegen angeblich antisemitischer und rassistischer Haltung derselben Kunstfigur ab. Offiziell wegen Sicherheitsbedenken im Falle ihres Auftritts.

Selbst schuld, denn eine, nach Erkennen des eigenen Fehlers, nochmalig ausgesprochene Einladung an Frau Lasselsberger, alias Eckhart , konnte die Situation nicht mehr retten. Die Verantwortlichen müssen sich nun, wohl oder übel, die Grenzen der kritischen Vernetzung ihrer Hirnareale eingestehen, oder so etwas in der Art.

Ein Sturm im Wasserglas könnte man meinen, doch genauer betrachtet steckt viel mehr dahinter. Viel hat es dazu eigentlich gar nicht gebraucht. Das ist es, was einem Sorge machen sollte.

Die österreichische Perle des deutschsprachigen Kabaretts ist zu Unrecht ins Schleudern geraten. Sie muss sich verletzt und ausgestoßen fühlen, von einer Gesellschaft, die zunehmend frei von Reflexion und Resonanz ist, so scheint es. Eine dumpfe Öffentlichkeit, die nun noch das letzte Quäntchen der eigenen Kritikfähigkeit an den Nagel gehängt hat.

Die „Causa Eckhart“ wäre an dieser Stelle schnell er- und aufgeklärt, doch ist die aufzubringende Zeit für das Erklären des Eindeutigen, hinsichtlich des humoresk Mehrdeutigen, schlicht zu schade. Dafür verweise ich auf die ZDF-Sendung aspekte vom 4. September.

https://www.zdf.de/kultur/aspekte/aspekte-vom-4-september-2020-100.html

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