Ein interessantes Programm für Freunde des Jazz haben der Robert-Schumann-Saal und die Jazz-Schmiede für zwei Konzerte im Monat März zusammengestellt. Hier die Einzelheiten:

  • Fr, 20.3.2020, 20.30 Uhr in der Jazz-Schmiede: Wanja Slavin Lotus Eaters Dusko Goykovich Quintet
  • Sa, 21.3.2020, 20 Uhr im Robert-Schumann-Saal:  Rolf Kühn Quartett The Cookers

Wanja Slavin Lotus Eaters ist den Lotophagen gewidmet, einem Volk der griechischen Mythologie, das ganz der Welt abgewandt lebt. Die Musik ist eine Reise ins Innere und in einen Zustand abseits der Welt. Im Gegensatz zu den Namensgebern verfallen die Lotus Eaters dabei aber nicht in Lethargie sondern verwandeln düsteren Weltschmerz mit kraftvoller Dringlichkeit in faszinierende Musik. Die ist formal traditionell und doch begegnen die Lotus Eaters um den herausragenden Altsaxofonisten Wanja Slavin dem Erbe der Jazzgeschichte mit Selbstbewusstsein, adaptieren unterschiedlicher Stimmungen, Genres und Bilder, um sie klug und virtuos weiterzuentwickeln. Das klingt mal nach elegischer Klangmalerei, dann wieder wild und kämpferisch, im Gestus einer Rockband. Es ist ein sehr persönliches Projekt, in dem nicht um eine neue Definition des zeitgemäßen Jazz gerungen wird, sondern um emotionale Hingabe. Dieses Ringen ist nicht minder spannend. Wanja Slavin: „Es geht nicht um Intellektualität, sondern um ein Gefühl, eher um etwas Spirituelles.“ Die Lotus Eaters beweisen, dass im 21. Jahrhundert ein aktueller Weg gefunden werden kann, die Jazztradition weiterzuführen und doch etwas relevantes hinzuzufügen. 

Wanja Slavin sax | Rainer Böhm piano | Josh Ginsburg bass | Kames Maddren drums

Dusko Goykovich gehört zu den lebenden Legenden des Jazz. Die Liste der Musiker, mit denen er gearbeitet hat, liest sich wie ein „Who is who“ der Jazz-Geschichte: Benny Bailey, Chet Baker, Kenny Barron, Gary Burton, Kenny Clarke, Miles Davis, Dizzy Gillespie, Dexter Gordon, Johnny Griffin, um nur einige zu nennen. Noch immer hat der in München ansässige und mittlerweile 88-jährige Trompeter einen vollen Terminkalender. Seine unverwechselbar melodische Phrasierung und seine erstklassigen Balladen-Interpretationen auf der offenen und gestopften Trompete und dem Flügelhorn sind legendär. In Dusko Goykovichs ereignisreicher Biografie spiegelt sich über ein halbes Jahrhundert Jazz-Geschichte. In Bosnien geboren, wurde er in den 1950ern in Deutschland berühmt, war in den 1960ern Mitglied der US-Big Bands von Maynard Ferguson und Woody Herman und wurde dann zum Pionier der Balkan-Jazz-Synthese. Brillant und mit Leichtigkeit wechselt er zwischen Bebop und Balladen, Bossa und 5/4-Takt.

Dusko Goykovich trumpet |  Martin Sasse piano | Martin Gjakonovski bass | Paul Heller (tenor sax), N.N. drums

Rolf Kühn Quartett

Ruhe und Aufbruch. Erfahrung und Neugierde. Body and Soul.

Rolf Kühn findet solche Gegenpole extrem anziehend. Und so improvisiert und bewegt sich der 88-Jährige mit seinem Album „Yellow + Blue“ einmal mehr durch musikalisches Neuland. „Europas größter Klarinettenspieler und Freigeist“ (Jazzthetik) spielt auf seinem neuen MPS-Album Balladen und legendäre Love Songs, in die er innig eintaucht, denen er aber auch neue, ungehörte Töne entlockt. Denn eine sentimentale Rückschau ist nicht sein Ding. In seinem neuen Quartett mit Pianist Frank Chastenier, Bassistin Lisa Wulff und Tupac Mantilla (Percussion) kontrastiert Rolf Kühn seine empfindsame Seite vielmehr mit ungebremster Experimentierlust.

„Für das Album habe ich einige meiner absoluten Lieblingsballaden ausgewählt, losgelöst von irgendwelchen Trends sind sie für mich einfach berührend und zeitlos schön“, sagt Kühn, „und besonders reizvoll fand ich, diese Auswahl mit meinen aktuellen Kompositionen zu kombinieren.“

Rolf Kühn clarinet | Lisa Wulff double bass | Frank Chastenier piano | Tupac Mantilla percussions

The Cookers

Sie gelten als Supergruppe des Jazz. Seit Dekaden schreibt das aufregende All-Star-Septett The Cookers Jazzgeschichte mit. In der Tat „kocht“ es, wenn die erfahrenen Hard Bop-Virtuosen den aggressiven, dynamischen Geist der Mittsechziger Jahre aufleben lassen. Ihr kraftvoller, frischer Sound trägt das Echo der großen Bands, in denen sie spielten – darunter Herbie Hancock, Max Roach und The Jazz Messengers, und ist dennoch von großer Individualität geprägt und einzigartig.

Billy Harper tenor sax | Eddie Henderson trumpet | Donald Harrison alto sax | David Weiss trumpet | George Cables piano | Cecil McBee Bass | Billy Hart Drums

„A dream team of forward-leaning hard-bop” New York Times

Karten für beide Tage kosten 40 Euro (Schüler/Studenten 30 €) / Abendticket Freitag | Jazz-Schmiede: 18 € (Schüler/Studenten 12 €) / Abendticket Samstag | Robert-Schumann-Saal: 28 € (Schüler/Studenten 18 €)  / Alle Preise zzgl. Servicegebühren, freie Platzwahl

Karten erhältlich an vielen Vvk-Stellen, unter T 0211-274000, im Kunstpalast, über www.robert-schumann-saal.de oder an der Abendkasse.

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