ZEN la cuisine vietnamienne: Mächtige Betonbänke standen vor dem Lokal in der Ackerstraße, das einst als Architektur & Esskultur bekannt war. Van Nguyen (43) ließ sie wegräumen. „Sie haben eine optische Blockade ausgedrückt“, sagt er, „es war wie eine Sperre.“ Jetzt laden neben feinblättrigen Pflanzen kleine, runde Tische und fragile Klappstühle zum Platznehmen ein. Für den hässlichen Trafokasten vor der Tür hat der vietnamesische Gastronom eine passgenaue Tafel produzieren lassen, die derzeit die Phó, die traditionelle Suppe Vietnams, bewirbt. Das bekannteste Gericht der vietnamesischen Küche – Van Nguyen kocht es genauso wie in der Heimat: „Sie köchelt 24 Stunden lang.“ Reisnudeln und Rindfleisch vermengen sich mit Koriander, Minze, Sternanis, Zimt, Ingwer und mehr zu einer delikaten Suppe, die man in Südostasien bereits zum Frühstück genießt.

Zen

Van Nguyen (Inhaber) bietet vielen Gästen sehr gute Qualität für vergleichsweise wenig Geld.

Van Nguyen hat das von dem Architektenpaar Petra Sievert und Gerhard Leister genial konzipierte Architektur & Esskultur, dessen vorderer Teil sich als Restaurant nicht recht etablieren konnte und zwei Jahre leer stand, übernommen und unter dem Namen Zen in kürzester Zeit zu einem erfolgreichen Betrieb ausgebaut.

Zen steht nicht nur für eine Form des Buddhismus‘, sondern auch für die Lotusblume. Ähnlich, wie Wasser und Schmutz an ihrer Oberfläche abperlen, soll auch in diesem Restaurant „Hektik und Stress des Alltags einfach abperlen.“ Das ist die Philosophie des Vietnamesen, der als junger Mann nach Deutschland gekommen war, ein Kriegskind aus Hanoi. „Wir wollen einfach, dass die Menschen sich bei uns wohlfühlen“, versichert er glaubhaft.

Zen-cuisine

Frühlingsrollen … wie alles andere frisch und selbst gemacht!

Van Nguyen, Vater von drei Kindern im Alter von vier, zehn und elf Jahren, ist es gelungen, das Restaurant in anderthalb Jahren als Hotspot zu positionieren. Wer freitags oder samstags reservieren will, sollte dies tunlichst zwei Wochen vorher tun, und auch unter der Woche ist das Restaurant, das stimmungsvoll mit einem Lilaton Farbakzente setzt, ebenso gut gefüllt wie mittags.

Und das liegt an Vans Philosophie, die man am besten so beschreibt: vielen Gästen sehr gute Qualität für vergleichsweise wenig Geld zu bieten. So kosten die Mittagsgerichte im Zen zwischen 5,90 und 8,90 Euro und das teuerste Gericht auf der Abendkarte, gegrillte Scampis mit Frühlingszwiebeln, Ingwer und Zitronengras, wird für 23,50 Euro serviert. Den Luxus, ein im Sommer kaltes und im Winter heißes Tuch für die Hände gereicht zu bekommen, erfährt dabei jeder Gast. Die Abendkarte ist erfreulich übersichtlich, ohne dass man etwas vermisst. Den meisten Gästen wird es wie uns gehen: Man findet mindestens zwei, drei Gerichte, die man bestellen möchte.

ZEN-Vorspeise

Was sich bei den Speisen umsatzfördernd auswirkt, die angenehmen Preise, gilt auch für die Getränke. Das Zen bietet, anders als die meisten asiatischen Restaurants, ein reichliches Weinangebot. Fünf Weißweine, und zwar ein Grauburgunder, Riesling, Lugana, Grüner Veltliner und Chardonnay, sind offen im Angebot, zu Preisen zwischen 5,50 und 5,90 Euro (0,2 l). Auch Freunde des roten Rebensafts kommen klar: Der teuerste Tropfen unter den vier Offenen ist der Los Vascos aus Chile zu 6,90 Euro. Die teuersten Flaschen auf der Karte sind mit 29,90 Euro sehr fair gelistet.

Aus Sicht vieler Gastronomen völlig verrückt ist Van Nguyens Kalkulation bei Champagner: Schon für 55,00 Euro lässt er bei einer Pommery Brut Royal den Korken fliegen. Und auch wer nach 20 Uhr einen Cocktail bestellt, mag sich bei der Rechnung die Augen reiben: Die Drinks werden für ganze 5,00 Euro serviert! Zehn Sorten Wodka, elf Sorten Gin und Bar-Expertise bewirken Sitzfleisch bei den Gästen. Van Nguyen: „Bei uns wird es oft drei Uhr früh.“

Zen-Cocktails

Aussergewöhnlich: Das Zen bietet, anders als die meisten asiatischen Restaurants, ein reichliches Weinangebot zu fairen Preisen. Auch die Flasche Pommery Brut Royale zu 55 Euro sucht seines Gleichen. Und die ausgezeichneten Cocktails kosten gerade mal 5 Euro

Die vietnamesische Küche im Zen profitiert sehr von dem aktuellen „low carb“-Trend, bei dem Kohlenhydrate stark reduziert sind. Der Vorspeisenteller (7,50 Euro), den wir hier mal probierten, war ein Hochgenuss: Mit (aus Vietnam importierten) Lotblättern umwickeltes mariniertes Rindfleischgehacktes, vietnamesischen Frühlingsrollen und einer Sommerrolle (Reisnudeln, Garnelen, Kräuter) serviert Chef Van Nguyen hier ein sättigendes und kalorienarmes Mahl.

„Unsere Küche ist eine ganz einfache“, sagt der sympathische Gastronom aus Hanoi, „wir verwenden nur frische Produkte, die meisten aus der Region, und verzichten auf jegliche Geschmacksverstärker.“

ZEN-Kueche

In der Küche geht es heiß her, doch für ein freundliches Lächeln bleibt immer Zeit.

Die Kolonialzeit der Franzosen, gesteht Van Nguyen mit einem Grinsen, sei der Küche in Viet-nam ja gut bekommen: „Das hat viele positive Impulse gesetzt.“

Vor dem drohenden Militärdienst war Van Nguyen nach Europa geflohen und irgendwie hatte es ihn dann nach Mülheim an der Ruhr verschlagen. In einem chinesischen Restaurant übernahm er zwei Jobs: Spüler und Putzer. Das brachte ihm 700 Mark im Monat und das Zimmer über dem Restaurant war inklusive.

„Wir Vietnamesen sind mit wenig zufrieden“, sinniert Van Nguyen, „das mag auch mit den Entbehrungen des Krieges und den damit verbundenen Erfahrungen zu tun haben.“ Sein Vater, erinnert sich Van, habe ihm immer gesagt: „Wenn du aufstehst und die Sonne noch sehen kannst, geht es dir gut.“

Doch wie viele seiner Landsleute ist Van auch ehrgeizig. Er hatte in Mülheim dem Koch immer über die Schulter geschaut und als der Knall auf Fall kündigte, sprang er ein. Viele Stationen in Düsseldorf folgten, bis die Liebe zu der gleichfalls aus Vietnam stammenden Thuy Dong (34) ihn im Jahr 2000 nach Aachen zog. Hier eröffnete er zwei vietnamesische Restaurants, die er erfolgreich betrieb. Aber: „Mein Herz schlägt für Düsseldorf, ich wollte wieder zurück.“ Ein halbes Jahr suchte er, bis er die perfekt geeignete Location in der Ackerstraße fand. Seine Frau, geschäftstüchtig wie er, eröffnete zwischenzeitlich ein paar Häuser weiter ein Kosmetikstudio.

Zen-pho-Suppe

Den Restaurantbetrieb hat der Gastronom mittlerweile ausgebaut: „Wir organisieren Firmenfeste und komplette Hochzeiten, von der Torte bis zur Musik und Organisation des Geschenkservices.“ Auch Catering steht auf dem Programm. Ein Erfolg im letzten Jahr war eine „Ladies Night“, die in diesem Herbst erneut ansteht. Den Reinerlös spendet er für ein 100-Brunnen-Projekt eines nordvietnamesischen Freundes. „Es gibt immer noch sehr arme Gegenden, wo die Menschen nicht über ausreichend frisches Wasser verfügen“, sagt Van, „für 2.000 Euro kann man dort einen guten Brunnen bauen.“

Wenn Sie das Zen besuchen, sollten Sie unbedingt die Phó-Suppe probieren, entweder mit Rindfleisch oder mit Huhn (jeweils 10,50 Euro). Das gegrillte Rindfleisch in Lotblättern (4,90 Euro) ist genial und Fischfreunde werden ChãcáLãVong lieben, ein mit vielen Kräutern und Reisnudeln perfekt zubereitetes Gericht, das zugleich ein Klassiker Hanois ist.

ZEN

Zen

Ackerstrafle 128
40233 Düsseldorf

www.zen-gastro.de

Öffnungszeiten:

Montag Ruhetag

Di.- bis So. geöffnet von 12:00 bis 15:00 Uhr
und von 17:30 bis 23:00 Uhr

Fr. und Sa. von 12:00 bis 15:00 Uhr
und von 17:30 bis 01:00 Uhr

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