Das war eine höchst vergnügliche Begegnung: Schriftstellerin Karen Duve wird dieses Jahr mit dem Literaturpreis der Stadtsparkasse geehrt, der mit 20.000 Euro einer der höchstdotierten Deutschlands ist. Vorstandsvorsitzende Karin-Brigitte Göbel ließ es sich nicht nehmen, die Preisträgerin persönlich vorzustellen, wobei sie große Sympathie mit ihr offenbarte und auch den Eindruck erweckte, sie habe sich die Zeit genommen, den 600-Seiten-Wälzer zu lesen. Wie natürlich auch die Jury, deren Sprecherin Verena Auffermann bekannte, die Zeit über Weihnachten sei für den Konsum hilfreich gewesen. Für sie ist Duves ausgezeichneter Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ eine „tragische Liebesgeschichte, ganz nah an der historischen Wahrheit.“  Der Autorin bescheinigte sie eine „durch großes Engagement und Kenntnisreichtum getragene Arbeit.“

Die bodenständig wirkende Duve, die in einem brandenburgischen Dorf zu Hause ist, kann sich begeistern, sie wirkt ganz bei sich, authentisch und lässt die blasierte Entrücktheit vermissen, die manche ihres Fachs auszeichnet. Die Fähigkeit, Charaktere zu zeichnen, bekannte sie, habe sie sich als Taxifahrerin erworben, ein Job, dem sie 13 Jahre nachging. Sie habe dabei „Muster entdeckt“

Fünf Jahre Vorbereitung

Per Zufall stieß die gebürtige Hamburgerin, die bereits eine Reihe von Literaturpreisen einheimsen konnte, auf eine Story über Deutschlands bedeutendste Dichterin des 19. Jahrhunderts: Annette von Droste-Hülshoff. Rund fünf Jahre ging sie mit dem Gedanken schwanger, sich literarisch mit der Dichterin auseinanderzusetzen, drei Jahre davon intensiv. Was dabei herauskam, brachte eine Kritik so auf den Punkt: „Historisch genau, gnadenlos entlarvend und so trocken-lakonisch und bitter-ironisch geschrieben, wie es nur Karen Duve kann.“

Karen Duve wühlte sich für ihre Arbeit durch Berge von Sekundärliteratur und machte sich dabei auch mit vielen überlieferten Briefen der westfälischen Dichterin vertraut. Allerdings, so Duve, „war es kaum möglich sie zu lesen, da sie extrem kurzsichtig war und (sie macht vor wie das ausgesehen haben könnte) wohl mit dem Gesicht kurz vor dem Blatt in kleiner Schrift geschrieben hat.“

„Briefe geschrieben wie wir E-Mails“

Im Sommer 1820 spielt der Roman um eine der bemerkenswertesten Dichterinnen Deutschlands, die nur 150 cm groß war und mit 51 Jahren starb. Die Vielzahl ihrer Krankheiten beschreibt Duve so anschaulich, als hätte sie sie gekannt. Eine umfangreiche Literatur und originale Hinterlassenschaft war hilfreich bei dem Unterfangen, einen extrem Fakten basierten Roman zu schreiben. Duve: „Die haben ja damals Briefe geschrieben wie wir heute E-Mails.“

Im Kern geht es in dem Roman um eine junge Frau, der zwei Männer – die Dichter Heinrich Straube und August Friedrich Ernst von Arnswaldt den H0f machen„Mit Straube hätte sie glücklich werden können“, glaubt Duve nach ihrer in die Tiefe gehenden Recherche.

Ich werde mir das Buch kaufen, Frau Duve hat mich überzeugt, dass es überaus lesenswert ist, ein Stück Zeitgeschichte rund um eine außergewöhnliche Frau gewickelt.

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