Eigentlich mag er keine Interviews –  „über mich wurde doch schon alles geschrieben“ – und entsprechend sperrig gibt er sich anfangs. Doch sobald das Gespräch auf das kommt was er tut, weicht er auf wie seine legendären ChampagnerTrüffel in der Augustsonne und seine intensiv-blauen Augen bekommen dieses ganz spezielle Leuchten.

Schokolade, Pralinen, Kuchen – das Süße liegt ihm in den Genen. Vater Hermann Heinemann hat schon in den 50er Jahren Pralinen produziert. „Er war der erste in Deutschland“, weiß Düsseldorfs Chocolatier und ist stolz darauf. Noch heute arbeitet er nach den Rezepten des Vaters und befolgt einen eisernen Grundsatz:  „Alles frisch, alles von Hand, keine industriellen Vorprodukte.“

Heinemann

Seine Lieblingsschokolade ist die von der südamerikanischen Criollo-Kakaobohne, eine ganz alte Sorte mit nur vier bis fünf Prozent Weltmarktanteil.  Heinemann: „Der Kakaoanteil liegt bei etwa 60 bis 70 Prozent, dennoch verfügt diese Schokolade über das volle Aroma und ist nicht bitter.“

Bei Heinemann gibt es die seltenste und zugleich geschmackvollste Kakaobohne der Welt in Form dünner und wahrhaft köstlicher Täfelchen. „Zu  Criollo-Trüffeln verarbeitet, kommt nur Sahne dazu“, meint der Chocolatier: „Alles andere wäre Sünde, weil es den wunderbaren Geschmack der Schokolade übertünchen würde.“ So übertüncht nur die Schokolade – und zwar schlechte Laune, denn die Criollo enthält den Stoff Theobromin, der den Serotonin- und Dopaminspiegel hebt – ein süßer Stimmungsaufheller!

Gut, wenn man so was weiß.

Heinz-Richard Heinemann weiß das und viel mehr – weil er es von der Pike auf gelernt hat, zum Beispiel in Lausanne und in Zürich, bei dem Schweizer Edel-Chocolatier Richard Sprüngli. So gerüstet, trat der Düsseldorfer in die Fußstapfen seines Vaters, der 1932 in der Bismarckstraße in Mönchengladbach sein erstes Geschäft eröffnete. Mitte der 50erJahre gründete er in unserer Nachbarstadt das zweite Geschäft und in den 60ern wurde das erste Geschäft in  Düsseldorf eröffnet.

Die Lust „auf Süß“ liegt wohl in der Familie. Und noch etwas hat Heinz-Richard Heinemann von seinen Eltern gelernt: Fleiß, Eifer und Durchhaltevermögen. Die beiden Senioren arbeiteten bis ins hohe Alter: „Mein Vater ging mit 94 morgens noch durch die Backstube, meine Mutter Johanna stand bis zu ihrem 93. Lebensjahr im Laden und hat mit Begeisterung verkauft.“

Die Heinemanns sind eine disziplinierte Familie, und sich unterkriegen zu lassen, passt nicht ins Bild. Heinz-Richard Heinemann erinnert sich: „Mein Vater kehrte nach dem Krieg zu Fuß aus Russland zurück, machte aus praktisch nichts Kuchen, denn es gab kaum Rohstoffe. Statt fehlender Sahne verwendete mein Vater eine Schlagcrème, ein Gemisch aus Eiweiß und Fett. Für diese
Torte standen die Menschen 1948 Schlange.“

Ein schwerer Schicksalsschlag, Heinz-Richards Bruder Bernd verunglückte 1992 tödlich, schweißte die Familie nur stärker zusammen. Heinz-Richard stand seinen Eltern zur Seite.

Gibt’s so was wie ein Erfolgsgeheimnis? „Ich habe keines“, lacht er entwaffnend, „ich stelle einfach nur Sachen her, die mir selbst schmecken. Habe ich eine Idee für einen neuen Trüffel oder eine Praline, probiere ich es mit meinen Mitarbeitern so lange, bis wir das optimale Ergebnis haben. Und bisher lag ich noch nie falsch“, fügt er verschmitzt hinzu.

In Düsseldorf gehört Heinemann zum kollektiven Bewusstsein, zur Ikonografie der Stadt. Pralinen? Heinemann! Kuchen, wenn’s was Gutes sein soll? Heinemann!

Der Chocolatier von der Kö ist auch ein hochbegabter Marketingmann, gewiss auch ein wichtiger Erfolgsbaustein. Sein Design, grün / weiß, hat Signalwirkung, seine saisonalen Dekos wecken Begeisterung und treiben den Umsatz.

Der Düsseldorfer Polizeibeamte Dietmar Sagurski (56) hat zur Popularität von Heinemann wohl die interessanteste Geschichte beizutragen. Als Präsident des Deutschen Katzenzüchtervereins hatte er 2005 eine Audienz beim damaligen Papst Benedikt XVI. Sagurski: „Als der Heilige Vater hereinkam, blieb er kurz bei jedem stehen. ‚Woher kommen Sie?‘, fragte er mich. ‚Aus Düsseldorf, Heiliger Vater‘,  antwortete ich. Da schaute er mich an und lächelte: ‚Und dann haben Sie mir nichts mitgebracht?‘  Verwirrt fragte ich ihn: ‚Was hätten Sie denn gern gehabt?‘ Darauf der Heilige Vater: ‚Ich bin doch ein großer Fan von Heinemann, ich liebe doch das Schneider-Wibbel-Garn.‘“ Dietmar Sagurski war perplex.

Für das Schneider-Wibbel-Garn, das Sagurski ihm anschließend zukommen ließ, bedankte sich der Papst handschriftlich.

Heinz-Richard Heinemann, selbst gläubiger Katholik, hat den Papst auch getroffen und durfte ihm nach seinem Amtsantritt eine wunderbare, eigens für ihn kreierte Torte überreichen.

Heinemann verrät „Lust auf Düsseldorf“, was seine persönliche Lieblingstorte ist: „Ich liebe unsere ‚Charlotte Royal‘ mit flüssigem Himbeermark. Die feine Vanillefüllung mag ich sehr.“

Die ist wie alles bei Heinemann hand- und hausgemacht. Heinz-Richard Heinemann, der diszipliniert jeden Morgen um sechs Uhr in der Backstube in Mönchengladbach Flagge zeigt:  „Wir sind eine Manufaktur im reinsten Sinne des Wortes, unsere Champagner-Trüffel gibt es jeden Tag frisch und sie gehen auch weg wie warme Semmeln.“ Die kleinen gefüllten Gaumenschmeichler sind seine eigene Erfindung.

Wie schafft es der bekennende Schoko- und Tortenesser, bei all dem so schlank zu bleiben? Heinemann: „Ich bin von klein auf an Süßes gewöhnt und vermutlich immun gegenüber Kalorien.“

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Claudia Fuhrmann

Fotos: Hojabr Riahi & Heinemann

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